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Sieben Linden

Ökodorf Sieben Linden

Das genossenschaftlich organisierte Ökodorf Sieben Linden liegt in der Gemeinde Beetzendorf in Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um ein alternatives Gemeinschaftsprojekt von derzeit rund 150 vielfältigen Menschen (Erwachsene und ihre Kinder) mit unterschiedlichen Meinungen, Interessen und Fähigkeiten. Was jedoch alle verbindet ist die Ausrichtung auf ein Leben im Einklang mit der Natur.

 

Foto: Michael Würfel, Montage: Sascha Hoffmann

Foto: Michael Würfel, Montage: Sascha Hoffmann

Die Gründung des Dorfes

Entstanden ist die Idee durch eine kleine Gruppe von Menschen, die in einem möglichst autarken und ökologischen Dorf leben wollten. In dieser sozial-ökologischen Modellsiedlung sollte wieder Menschlichkeit und Verantwortung gegenüber der Mitwelt im Mittelpunkt stehen.

1991 gründeten deshalb rund 20 Pioniere den Verein Freundeskreis Ökodorf e. V. und zwei Jahre später die Genossenschaft Siedlungsgenossenschaft Ökodorf e. G. (SiGe). 1997 erwarb die Genossenschaft 22 ha Land bei Poppau in der Gemeinde Beetzendorf. Im gleichen Jahr zogen die ersten 10 Bewohner*innen auf das Gelände, welches sie Sieben Linden nannten, und renovierten den vorhandenen Bauernhof. In den folgenden Jahren wurden weitere Wege, Brunnen, Strom und Telefonleitungen angelegt sowie Teile des verarmten landwirtschaftlichen Bodens in fruchtbares Gartenland umgewandelt. 1999 kam die Wohnungsgenossenschaft Sieben Linden e.G. (WoGe) hinzu, die seitdem als Trägerin für den Wohnungsbau im Ökodorf dient.

Mittlerweile leben in Sieben Linden rund 150 Menschen in mehreren Mehrfamilienhäusern und in Bauwägen. Dazu kommen weitere Gewerbe- und Seminargebäude. Das gesamte Grundstück umfasst 81,5 ha, 45 ha davon Wald und 8 ha Bauland. Das Dorf soll auch in Zukunft weiter wachsen. Geplant ist, dass im Laufe der nächsten Jahre insgesamt 300 Bewohner*innen in Sieben Linden leben.

 

Foto: Michael Würfel

Foto: Michael Würfel

 

Finanzierung

Derzeit sind 75 der 110 erwachsenen Bewohner*innen Genossenschafts-mitglieder und somit auch Miteigentümer*innen von Sieben Linden. Der Genossenschaftsanteil beträgt dabei € 13.000. Zudem müssen die Bewohner*innen einen Beitrag von monatlich € 100 für die laufenden Kosten leisten (Holz, Wasser, Strom, Verwaltung), unabhängig davon, wie viel sie verbrauchen. Auch die Kosten für die Lebensmittel der Kinder werden solidarisch getragen. Im Jahr 2002 wurde der Verein und Laden „Naturwaren Sieben Linden e.V.“ gegründet. Alle Bewohner*innen sind dort ebenfalls Mitglied und werden über einen festen und für alle gleichen Mitgliedsbeitrag mit Lebensmitteln versorgt. „Luxusgüter“ wie Saft, Alkohol, Schokolade, Chips usw. sind nicht im Tagessatz enthalten.

Trotz dieser solidarischen Ansätze muss jeder für seine weiteren persönlichen Ausgaben selbst aufkommen. Um dies leisten zu können, sind einige wenige außerhalb von Sieben Linden beschäftigt. Die meisten haben jedoch eine Anstellung über die Ökodorforganisationen, z. B. SiGe (Wald- und Gartenarbeit), WoGe (Verwaltung), Freundeskreis Ökodorf e.V. (Seminarbetrieb), Naturwaren e.V. (Lebensmittelbevorratung), Waldkindergarten oder arbeiten in verschiedensten Betrieben wie z.B. raw living (Rohkostfirma), „Feinkost-Manufaktur“, „Michael Würfel Medienproduktion“, Tischlerei oder Schmuckmanufaktur. Jedes eingehende Geld, so das Bestreben, kreist mehrmals innerhalb der Gemeinschaft und ernährt somit möglichst viele Personen, bevor es das Dorf wieder verlässt.

 

Selbstversorgung

Ein besonders wichtiger Punkt für die Gemeinschaft ist ein möglichst hoher Grad an Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Auf den knapp 8 ha Anbaufläche werden derzeit rund 70% des benötigten Gemüses angebaut. Der Eigen-bedarf an herzhaften Brotaufstrichen, Marmeladen und Konserven wird bereits seit vielen Jahren aus eigener Herstellung gedeckt. In sogenannten „Einmachwochen“ wird die Fülle des Obstes aus Garten und Region zu Marmeladen verarbeitet.  Außerdem werden  Tees, Pralinen, Kräuteröle etc. hergestellt. Die Produktpalette umfasst über 80 Produkte, wobei nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Shampoo und anderen Dinge des täglichen Bedarfs hergestellt werden.

Um den Anbau der Lebensmittel kümmern sich mehrere Gartenteams, die im „SiGe-Garten“ und der Gärtnerei Uga Wolf arbeiten. Daneben beteiligen sich weitere Menschen aus der Gemeinschaft auf kleineren Parzellen an der Ausweitung der Selbstversorgung. Der Anbau von Feldfrüchten, Getreide und Hülsenfrüchten auf dem eigenen Ackerland wird ebenfalls kontinuierlich ausgebaut. Die verbleibenden Ackerflächen werden von einem benachbarten Biobauern bewirtschaftet.

 

Veranstaltungen und Seminare

Aufgrund der besonderen Art des Zusammenlebens, spielt das Thema Gemeinschaft und gewaltfreie Kommunikation in Sieben Linden eine wichtige Rolle. Daher wird dem friedvollen Zusammenleben, der Entscheidungsfindung und der Neuaufnahme von Menschen große Aufmerksamkeit gewidmet. Auch nachhaltige Lebensstile stehen im Vordergrund, und so werden beispielsweise umweltfreundliche Mehrfamilienhäuser aus Stroh, Lehm und Holz gebaut, die Äcker mit Pferden gepflügt und Permakultur betrieben. In der Gemeinschafts- und Seminarküche wird vorwiegend vegan, teilweise lakto-ovo-vegetarisch gekocht.

Ihre besonderen Erfahrungen zum Thema Gemeinschaft, gewaltfreie Kommunikation, Permakultur oder ökologisches Bauen geben die Menschen von Sieben Linden auf Veranstaltungen und Seminaren an Interessierte weiter. Der gemeinnützige Verein Freundeskreis Ökodorf e. V. übernimmt dabei die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.

 



Stand: 15.06.2018 Druckversion
BMBF SOEF